inLog · 2026-10-28
Was ist eine Schiffsversicherung? Hull, P&I und was Reeder wissen sollten

Die Schiffsversicherung gehört zu den ältesten und am stärksten spezialisierten Versicherungssparten der Seefahrt. Bedenkt man Wert des Schiffes, Ladung, Besatzung und mögliche Umweltschäden, kann ein einzelnes Ereignis sehr teuer werden. Deshalb besteht die Schiffsversicherung nicht aus einer Police, sondern aus einer Kombination von Deckungen. Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen, die Reeder und Betreiber kennen sollten.
Warum besteht die Schiffsversicherung aus mehreren Teilen?
Die Risiken eines Reeders gliedern sich in zwei Gruppen: Schäden am Schiff selbst (Sachwert) und Schäden, die das Schiff anderen zufügt (Haftpflicht). Beides wird meist über verschiedene Stellen versichert.
Kasko- und Maschinenversicherung (Hull & Machinery)
Die Hull-Versicherung deckt Schäden an Rumpf, Maschine und Ausrüstung durch Sinken, Kollision, Strandung, Feuer und andere Seeunfälle. Die Police legt den Versicherungswert und die Höchstentschädigung fest. Ein Teil der Kollisionshaftung kann ebenfalls in dieser Police enthalten sein, der Rest verbleibt bei der P&I-Deckung.
Was ist P&I-Versicherung?
P&I (Protection and Indemnity) deckt die Haftung des Reeders gegenüber Dritten. Typisch sind Verletzung oder Tod der Besatzung, Ansprüche aus Ladungsschäden, Umweltverschmutzung, Wrackbeseitigung und Schäden an Stegen oder Hafenanlagen. P&I wird meist über P&I-Clubs auf Gegenseitigkeit bereitgestellt. Der Reeder ist Mitglied, zahlt Beiträge, und der Club reguliert Ansprüche im Rahmen der Deckung.
Krieg, Streik und Zusatzrisiken
Standard-Hull-Policen schließen Kriegs- und Streikrisiken meist aus; sie werden gesondert gekauft. Verdienstausfall (Einkommensverlust, solange das Schiff nicht fahren kann) und Frachtversicherung sind weitere Optionen.
Warum sind Klasse, Flagge und Register wichtig?
Versicherer erwarten, dass Schiffe bei einer Klassifikationsgesellschaft eingetragen sind und gültige Zertifikate haben. Flaggenstaat, Alter, Wartungszustand und Betriebssicherheit prägen das Angebot. Der Verlust von Klasse oder Zertifikaten kann die Gültigkeit der Police unmittelbar beeinträchtigen.
Große Haverei und Bergung
Im Seerecht werden Opfer für die gemeinsame Sicherheit als „Große Haverei“ aufgeteilt. Auch bei Bergungen kann die Zahlung zwischen Schiffs- und Ladungseignern geteilt werden. Die Police regelt, wie diese Kosten getragen werden.
Praktische Tipps für Reeder
- Bestätigen Sie, dass Hull und P&I sich ohne Lücken ergänzen.
- Klären Sie, ob Kriegs- und Streikrisiken enthalten sind.
- Verfolgen Sie die Erneuerungstermine von Klasse und Zertifikaten.
- Informieren Sie sich vorab über Meldefristen und erforderliche Unterlagen.
- Melden Sie dem Versicherer Änderungen von Fahrtgebiet oder Ladungsart.
Die Schiffsversicherung erfordert Fachwissen und läuft meist über internationale Märkte. Senden Sie uns Angaben zu Schiff, Flotte oder Betrieb; wir bewerten gemeinsam die passende Struktur.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hull und P&I?
Hull deckt Sachschäden am Schiff selbst; P&I deckt die Haftung des Reeders gegenüber Dritten, etwa Besatzung, Ladung und Verschmutzung. Beide ergänzen sich.
Was ist ein P&I-Club?
Ein Zusammenschluss von Reedern, die sich auf Gegenseitigkeit versichern. Mitglieder zahlen Beiträge, und der Club reguliert Haftungsansprüche im Rahmen der Deckung.
Ist das Kriegsrisiko in der Schiffspolice enthalten?
Standard-Hull-Policen schließen Kriegs- und Streikrisiken meist aus; sie werden als gesonderte Deckung gekauft.
Beeinflusst der Verlust der Klasse die Police?
Ja. Das Schiff muss bei einer Klassifikationsgesellschaft eingetragen sein und gültige Zertifikate haben; sonst können Gültigkeit und Schadenzahlung beeinträchtigt sein.
Ist die Schiffsversicherung auch für kleine Betriebe geeignet?
Für kleine gewerbliche Schiffe, Schlepper und Fischerboote gibt es passende Policen. Am besten holen Sie ein Angebot mit den Schiffsdaten ein.